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Postbank Sparplan

Mit dem Postbank Sparplan hat die Postbank einen Banksparplan im Angebot, der mit einem Zinsbonus von bis zu 100 % lockt und das trotz niedriger monatlicher Raten, ohne Bonusverlust und vermeintlicher Flexibilität und Kontrolle. Die Frage ist nur: Ist dieses Angebot zu gut um wahr zu sein – oder ist es das gar nicht?

 

Konditionen und Ausgangssituation

Grundsätzlich funktioniert der Postbank Sparplan wie auch andere Banksparpläne: Es wird eine feste monatliche Rate von mindestens 50 Euro vereinbart, welche auf einem gesonderten Konto angespart wird. Man hat somit keinen direkten Zugriff auf das angesparte Vermögen und kann im Bedarfsfall nicht schnell darüber verfügen.

Wie viel man dabei monatlich sparen möchte wird dabei bei Eröffnung des Postbank Sparplanes vereinbart und anschließend ein Dauerauftrag hierfür eingerichtet. Über die Änderung dieses Dauerauftrages kann im Nachhinein auch die Höhe der Rate problemlos gesenkt werden.

Der Postbank Sparplan kann dabei wie fast alle Postbankprodukte entweder online oder in einer Filiale der Post / Postbank abgeschlossen werden. Im Gegensatz zu anderen Postbankangeboten wird der Onlineabschluss jedoch nicht zusätzlich belohnt, was die Postbank mit dem an sich schon sehr attraktivem Angebot begründet.

Zins und …

Das größte Werbeargument für den Postbank Sparplan ist der Zinsbonus von bis zu 100 %, denn der aktuelle Basiszins, wenn auch variabel und damit mit Luft nach oben, von 0,25 % p.a. kann es kaum sein, da der Basiszins so sogar noch weit unter der aktuellen Inflationsrate von 1,90 % liegt.

Der Basiszins ist somit, auch gemessen an anderen Angeboten am Markt, vor allem am sehr viel flexibleren Tagesgeld, welches aktuell durchschnittlich bis zu 2,5 % Zinsen bieten, als verschwindend gering zu bezeichnen und bleibt somit seiner Heimat – niedrigverzinsten, konservativen Sparanlagen (Sparplan, Sparbuch) – mehr oder weniger treu. Daran ändert aus unserer Sicht auch nur wenig, dass dieser variabel ist und (so wahrscheinlich die Argumentation der Banken) nur krisenbedingt niedrig ist – die Erfahrung zeigt leider, dass Zinsanstiege bei Sparanlagen generell gern verspätet und nur selten im vollen, marktüblichen Umfang weitergegeben werden, so dass die Hoffnung auf einen im Vergleich mit anderen Anlagemöglichkeiten hohen Zins in der Zukunft eher gering ausfällt.

… Zinsbonus

Aber wen stört schon ein niedriger Zins, wenn ein Zinsbonus von zusätzlich bis zu 100 % winkt?
Das Problem ist jedoch, dass dieser Zinsbonus nur einmalig und erst nach 25 (!) Jahren auf die im letzten Jahr getätigte Spareinlage fällig wird. Bis dahin steigt der Zinsbonus über die Jahre langsam an, siehe Grafik,

Postbank Sparplan Zinsbonus

bevor er nach Jahrzehnten (!) überhaupt die beworbene signifikante Höhe erreicht.

Wie erwähnt wirkt der Zinsbonus nicht auf die gesamte angesparte Summe, sondern nur auf die im jeweiligem Jahr gezahlte Einlage.

Beispiel: Wurden bis zum 15. Jahr bereits 20.000 Euro angespart und werden im 15. Jahr nur 1.000 Euro eingezahlt, so wird der Zinsbonus von 35 % (+ Basiszins) nur auf diese 1.000 Euro gewährt, also 350 Euro (Zinsbonus ohne Basiszins). Das restliche angesparte Vermögen wird nur mit dem dann gültigen Basiszins verzinst.

Leider ein Lockangebot mit hohen Zahlen

Wer meint, dass der hohe Zinsbonus den niedrigen Zins wettmacht, weil er ja mehr als großzügig ausfällt, der ist leider der beabsichtigten Lockwirkung dieser Rechnung aufgesessen, denn nicht ohne Grund wird von Anbietern von Banksparplänen, und aktuell auch nicht von der Postbank, kein Renditerechner angeboten. Selbst unter Berücksichtigung des Zinsbonusses ergibt sich je nach Ausgangslage für den Anleger ein sehr schlechter Schnitt.

So beträgt der mittlere Zins nach 25 Jahren beim Postbank Sparplan bei einem Basiszins von 0,25 % p.a. lediglich 2,47 % – betrachtet man nur den „kurzen“ Zeitraum von 15 Jahren, so schrumpft unter Berücksichtigung des Basiszinses der mittlere Zins auf 1,88 %, bei 5 Jahren sogar auf 1,25 %.

Selbst wenn wir die aktuellen Krise berücksichtigen und einen in der Zukunft deutlich höheren Zins annehmen, ändert das kaum etwas am Gesamtbild. Legen wir einen für konservative Sparanlagen sehr hohen Zins von im Schnitt 2 % zugrunde zzgl. des Zinsbonusses, so ergibt sich ein mittlerer Zins von:
3,92 % nach 25 Jahren,
3,49 % nach 15 Jahren,
2,98 % nach 5 Jahren,

woran man allein die Bedeutung eines niedrigen bzw. hohen Basiszinses, man vergleiche die Zahlen davor, sieht bzw. die eigentliche Bedeutungslosigkeit eines hohen Zinsbonusses (der im Schnitt einem Zins von ca. 1,01 – 2,27 % p.a. je nach Laufzeit entspricht) in ferner Zukunft.

Noch schlechter sieht dies im Vergleich mit Festgeldangeboten aus, welche bereits einer Laufzeit von 10 Jahren (!) bei den aktuell niedrigen Zinsen einen Zinssatz von 4 – 5 bieten – somit wäre selbst eine aktuell in Krisenzeiten abgeschlossene und wesentlich kürzer laufende Festgeldanlage lukrativer.

Falle Flexibilität!

Die Flexibilität des Postbank Sparplans besteht vor allem darin, dass man zum einen (online) jederzeit sehen kann, was man angespart hat und ohne den Verlust des Zinsbonusses den Postbank Sparplan mit einer Frist von 3 Monaten kündigen kann – was nicht wirklich flexibel ist, wenn man das Geld kurzfristig und schnell benötigen sollte.

Auch hinsichtlich der Ratenanpassung ist die Flexibilität nur nach unten gegeben – sprich: Man kann jederzeit durch die Änderung des Dauerauftrages die monatlichen Sparraten nach unten (bis zu einem Mindestbetrag von 50 Euro) setzen, jedoch nicht wieder erhöhen.

Diese Flexibilität stellt jedoch letztendlich eine Falle dar, denn sollte die Rate im Rahmen der Laufzeit gesenkt werden, sinkt somit natürlich auch die maximal mögliche jährliche Ansparsumme (da sie in der Folge nicht mehr erhöht werden kann), auf die sehr spät die hohen Zinsboni winken. Gleiches gilt für eine vorzeitige Kündigung, da hohe Zinsboni erst sehr spät greifen. Die vermeintliche Flexibilität führt somit, sollte sie in Anspruch genommen werden, zu deutlichen Renditeeinbußen.

Vor allem in der Praxis zeigt sich leider immer wieder, neben den im Grunde nicht lukrativem Zins, dass ein Sparplan meist mit hohen monatlichen Spareinlagen aufgelegt wird und im späten Alter, wenn die hohen Zinsboni kommen würden, aufgrund finanzieller Probleme (Kredite, Arbeitslosigkeit, Krankheit, usw.) oft in der Ansparsumme reduziert oder gekündigt werden muss.

Fazit: Wie auch bei anderen Banksparplänen können wir dem Postbank Sparplan nur wenig abgewinnen – zwar wird man so regelmäßig zum Sparen angehalten und kann sich ein kleines Vermögen für das Alter aufbauen, jedoch ist die Verzinsung im Vergleich mit anderen Angeboten, z. B. Tagesgeld oder Festgeld, alles andere als lukrativ.

Der hohe in Aussicht gestellte Zinsbonus ist bei genauerer Betrachtung aus unserer Sicht ein Lockangebot. Abschließend lässt sich so (leider) nur erneut feststellen, dass Sparpläne, wie auch Sparbücher und ähnliche Anlagen, nur der günstigen Rekapitalisierung der Banken am Privatkundenmarkt dienen.


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